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Kraftabstieg KW Obere Sill

Das Kraftwerk Obere Sill wurde in den Jahren von 1901 bis 1903 nach den Plänen von Josef Riehl erbaut. In diesem Zeitraum wurde die erste Druckleitung mit dem Durchmesser DN 1250 errichtet und in den Jahren 1908 bis 1909 um eine zweite Druckleitung DN 1400 ergänzt. Zum Zeitpunkt der Errichtung zählte das Kraftwerk zu den größten in der Donaumonarchie.

Am südlichen Widerlager der Europabrücke ist das Wasserschloss situiert, ein bergmännisch vorgetriebenes Gewölbe mit einem anschließenden oberirdischen Gebäude. Das Sill-Triebwasser erreicht das Überlaufwasserschloss über einen ca. 7 km Triebwasserstollen. Über beidseitig angeordnete Übereiche wird das Triebwasser im Bedarfsfall in den Sill-Leerschuss, bzw. Ruetz-Leerschuss abgeworfen.

Das Triebwasser wird über die beiden ca. 330 m langen und 33° geneigten Druckleitungen abgearbeitet. Die Bruttofallhöhe beträgt ca. 184 m. in den obersten ca. 150 m sind die beiden Druckleitungen frei verlegt, daran schließt eine ca. 110 m lange Stollenstrecke an. Die unteren ca. 70 m der Druckleitungen sind wiederum frei verlegt. Der Anschluss der  beiden Kraftabstiege erfolgt über Verbindungsleitungen an die drei Maschinensätze. Im Maschinenhaus sind drei baugleiche Zwillings-Peltonturbinen untergebracht. Das abgearbeitet Wasser wird über den Unterwasserkanal und zwei Verbindungskanälen zum Unterwasserbecken des Zwischenkraftwerkes bzw. Einlaufbecken zum Triebwasserstollen des Kraftwerke Untere Sill abgeführt. Zusätzlich besteht eine direkte Entlastungsmöglichkeit zur Sill.

Aufgrund des fortgeschrittenen Alters und das Ergebnis der Bestandsprüfung mussten die beiden Druckleitungen erneuert werden. Die bestehende Druckleitung DN 1400 wurde zur Gänze rückgebaut und durch eine neue Leitung mit der Dimension DN 2300 ersetzt. Als Kabelkollektor dient künftig die Bestandsleitung DN 1250.

Im Zuge der Baumaßnahmen zwischen März 2016 und April 2017 wurden nachstehende Baumaßnahmen erfolgreich umgesetzt:

  • Adaptierung des bestehenden Sill-Wasserschlosses, insbesondere der Umbau des Einlaufbereiches für die neue Druckleitung DN 2300
  • Abbruch der bestehenden Druckleitung DN 1400 sowie Teilabbruch der Druckleitung DN 1250 und dessen Umfunktionierung zum Kabelkollektor und Realisierung einer direkten Datenverbindung zwischen Wasserschloss, Kraftwerk und den dazwischenliegenden Sonderbauwerken.
  • Abbruch der bestehenden Verteilrohrleitung und Errichtung der neukonzipierten Verteilrohrleitung inkl. Festpunkt. Dafür wurden alleinig ca. 550 m³ Massebeton verbaut. Der Einbau wurde akribisch über die Einbaugeschwindigkeit, Lage- und Höhenkontrolle der Verteilrohrleitung sowie der Temperaturentwicklung während der Aushärtezeit dokumentiert.
  • Stollenaufweitung zum Einbringen des künftigen Kraftabstieges DN 2300 und anschließender Ringraumverguss mittels Vergussbeton auf Basis einer speziell für diese Baustelle und  Umstände kreierter Betonrezeptur.
  • Errichtung des neuen ca. 340 m langen Kraftabstieges DN 2300

Werkstoff: Stahl mit werkseitiger PE-Außenbeschichtung und bauseits aufgebrachter 3-fach Innenbeschichtung mit je ca. 2.400 m² als Korrosionsschutz

Rohrschusslänge 13,50 m bei ca. 13.250 kg, Wandstärke bis 16 mm

Die Lieferung der Rohre erfolgte „just in time“ und wurden unmittelbar nach Prüfung und Freigabe mittels einer Doppeltragseilbahn im durchwegs anspruchsvollem Gelände eingehoben.

Neuerrichtung von Bauwerke wie Druckdeckelschacht, Messschächten, Mannlocheinstieg, Kollektorgänge und Leitungsfestpunkte

Ein bis ins Detail durchdachter Bauzeitplan sowie eine akkurate Bauzeitverfolgung war ein Teil der erfolgreichen Umsetzung des Bauvorhabens. Insgesamt wurde in etwa  8.700 m³ Erdreich bewegt, ca. 5.500 m² Spritzbetonwände zur Baugruben- und Rohrleitungsgrabensicherung erstellt und ca. 4.500 m³ Beton verbaut.

Der termin- und kostengerechten Umsetzung des Bauvorhabens folgte im April 2017 der Probebetrieb mit anschließender Inbetriebnahme der gesamten Anlage zur vollsten Zufriedenheit der Innsbrucker Kommunalbetriebe AG.

Leistungen AEP: Örtliche Bauaufsicht